Viele Gründe zu feiern

40 Jahre gegenseitige Treue – Bühlerhof Murr und Demeter

v.l.n.r.: Reinhard Sips (Spielberger Mühle), Roxanne Geier, Hauke Bühler, Beate Bühler, Friedhardt Bühler, Anne Dorer (Leitung Bäckerei Eselsmühle und Vorstandsmitglied Demeter Landesverband BaWü), Dr. Christoph Reiber (Geschäftsführer Demeter BaWü), Matthias Maier (Geschäftsführer Beutelsbacher Fruchtsaftkellerei), Philipp Kendzorra (Einkauf Beutelsbacher)


Im Jahr 2022 sind es genau 40 Jahre. Im Sommer 1982 lieferte Friedhard Bühler sein erstes Getreide in Umstellung auf Bio an die Spielberger Mühle in Brackenheim bei Heilbronn. Er legte damit den Grundstein für die Bewirtschaftung des Bühlerhofes nach Demeter-Richtlinien. Was anfänglich auf Skepsis insbesondere bei der elterlichen Generation stieß und in den Augen der Agrar-Forschung als Fehlschlag prophezeit wurde, offenbarte sich in den vergangenen Jahrzehnten als großer Erfolg für die Natur und die Verbraucher:innen, aber auch für den Bühlerhof:Wenn ich mich umschaue, stelle ich fest, dass unsere Felder nicht schlechter aussehen als die umliegenden Flächen, aber unsere Wirtschaftsweise steht im Einklang mit der Natur“, freut sich Friedhard Bühler, dem der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz, welcher insbesondere für die Biodiversität eine Bedrohung darstellt, seit jeher ein Anliegen ist.

Vielseitiger geht’s kaum noch und die Hofnachfolge ist gesichert

Möglich wird dies durch konsequente und akkurate, aber auch liebevolle Arbeit, weiß Friedhard Bühler, dessen Passion in seinem Demeter-Betrieb liegt. Im wahrsten Sinne des Wortes kann er die Früchte seines vorrausschauenden Handelns immer mehr genießen und ernten. 2020 hat er mit seinem Sohn Hauke eine GbR gegründet und bewirtschaftet den Betrieb seither mit ihm gemeinsam. Angebaut werden Kartoffeln, Rote Bete und Karotten sowie Weizen und Dinkel. Das Getreide liefert Friedhard Bühler bis heute zur Spielberger Mühle, ein Großteil der roten Bete und Karotten werden von der Beutelsbacher Fruchtsaftkelterei und Voelkel zu Säften verarbeitet. Die Kartoffeln finden hauptsächlich Absatz bei regionalen Vermarktern, einige Mengen werden aber auch über den Hofladen der Bühlers direkt verkauft. Zum Betrieb gehören auch die Grünlandflächen, welche mehr als 600 Obstbäume beherbergen und damit ökologisch besonders wertvoll sind. Zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit wird auf den Ackerflächen außerdem Luzerne kultiviert, die nicht nur Stickstoff aus der Luft bindet und somit auch zum Klimaschutz beiträgt, sondern ebenso ein hochwertiges Futtermittel für die 50 Milchkühe und rund 20 Jungrinder darstellt. Dass die Tiere hier Hörner tragen, ist selbstverständlich. Friedhard Bühler ist von dem positiven Einfluss der Hörner auf Milchqualität und -leistung überzeugt. Besonders stolz sind die Betriebsleiter auf die Milchleistung von Kuh Gitte, die 2022 ihre Plakette für 100.000 Liter Lebensleistung erhalten hat und bereits seit 14 Jahren auf dem Demeterhof lebt. 

Im Miteinander der Generationen für Artenvielfalt und Demeter-Landwirtschaft

Auch die Betriebsstruktur ist inzwischen klar geregelt: Während Friedhard Bühler sich mehrheitlich um die Felder kümmert, obliegt das Stall- und Herdenmanagement inzwischen Hauke Bühler und seiner Partnerin Roxanne Geier. Mutter und Ehefrau Beate Bühler leitet die Geschicke des Hofladens und versorgt die Jungtiere. Unterstützt wird die Familie durch einen Auszubildenen sowie mehrere Saison- und Aushilfskräfte. Im Sinne der Demeter-Philosophie verzichtet der Bühlerhof weitestgehend auf den Zukauf von Futter- und Düngemitteln und schafft es, seine Betriebsmittel mehrheitlich selbst zu produzieren. Diese Unabhängigkeit macht sich seit Beginn der Ukrainekrise einmal mehr bezahlt, was die weitsichtige Entscheidung Friedhard Bühlers von vor 40 Jahren aufs Neue bestätigt. Nichtsdestotrotz steht der Hof auch heute weiterhin vor Herausforderungen, wie etwa die Umsetzung der Weidepflicht, die an einem Ackerstandort im Raum Ludwigsburg bei Stuttgart, wo der Bühlerhof liegt, schwierig zu handhaben ist. Hierfür will sich Hauke Bühler am Ansatz des aus den USA stammenden Mobgrazing orientieren, wo die Tiere mit blattreichen, hochwüchsigen Futterpflanzen eingesäte Ackerflächen beweiden können und so zeitgleich die Düngung der Fläche übernehmen.

Wer selbst einmal den Generationenbetrieb besuchen möchte,

die Öffnungszeiten des Bühler Hofladens sind montags, mittwochs und freitags 18 bis 19 Uhr.

Der Text ist rund um das 40-jährige Jubiläum des Bühlerhofs in Murr entstanden.