Kräutergarten Urban: Mini-Pflanzenparadies

Üppige Mischkultur und Bio Premium-Kräutertees

Demeter Kräutergarten Urban in Schallstadt bei Freiburg. Foto: Carolin Urban


Wenn Carolin Urban über Pflanzen spricht, gerät sie ins Schwärmen. Die gelernte Staudengärtnerin liebt das Besondere. Bei ihr im Kräutergarten Urban und in ihrem Online-Shop gibt es nicht nur Bio Premium-Kräutertees aus Baden-Württemberg, sie hat sich auf ihrem kleinräumigen Pflanzen-Paradies im Breisgau eine beeindruckend vielfältige Gärtnerei aufgebaut, mit einer üppig blühenden Mischkultur an Stauden und Kräutern. Nebenbei bietet sie Lebensraum für eine große Vielzahl an Insekten, Schmetterlingen, Eidechsen sowie ein Buffet für Vögel und andere Tiere. 

Carolin Urban kann gar nicht anders, sie liebt was sie tut: Bereits als Kind stiefelte sie durch die Gärtnerei ihrer Mutter, die zunächst auf „Bio“ umstellte, später auf „Demeter-Qualität“: „Ich habe auch mal zehn Jahre etwas anderes versucht, aber letztlich bin ich Gärtnerin. Solange ich im Garten bin, brauche ich nichts, habe weder Hunger noch Durst, mir tut nichts weh. Manchmal, wenn ich den Garten verlasse, merke ich: Ok, Du hättest mal eine Pause machen können, aber mir geht´s einfach super im Garten.

Ihr Gelände ist durch die örtlichen Gegebenheiten „winzig“, auf kleinstem Raum kümmert sie sich für ihre Kunden um neue Topfpflanzen, hat einen Anzuchttunnel und einen Tunnel für Tomaten, außerdem vermehrt sie ihr eigenes Saatgut.

Nach Demeter-Richtlinien zu gärtnern, bedeutet für sie

Natürlich kein Gift, kein Kunstdünger, möglichst samenfeste Sorten, vieles selbst machen, Nützlinge fördern, auch mal mit Läusen leben lernen. Und bei Demeter kommt eine sogenannte „geistige Dimension“ dazu: „Wir versuchen die Natur wahrzunehmen und es geht darum, dass man verschiedenen Kräuter-Präparate und deren Information auf den Boden, die Pflanzen ausbringt. Letztlich geht es für mich um Aufmerksamkeit, dass man den Betrieb mit allen Sinnen genau wahrnimmt“.

Sie liebt Artischocken, essbare Wildpflanzen und Minzen

Bei Minzen mag sie es pur, mit viel Menthol und einem tollen Minz-Geschmack, wie beispielsweise „Black Spearmint, die knallt richtig, auch wenn sie getrocknet ist, kitzelt es noch ordentlich in der Nase.“ Und dann gibt Carolin Urban noch einen Profi-Tipp: „Minzen mögen sich selbst nicht. Sie wuchern also nicht, sondern wechseln den Platz. Im Topf wachsen sie daher im Kreis. Wechselt man jedes Jahr die Erde aus, verkümmern sie auch nicht im Topf.

Die Spezialität der Gärtnerei ist die Zitronen-Verbene (Verveine)

„Wir kultivieren die eigentlich nicht winterharten Sträucher im Freien. Da wir über Stecklinge vermehren möchten wir eine epigenetische Anpassung an unser Klima erreichen. Bisher konnten wir die Stöcke über den Winter bringen – auch wenn der letzte mit -15° hart an der Grenze war.“ Die gesunde und hocharomatische Verveine gibt es in der Gärtnerei als Ganzblatttee, in Kräutersalz (Zitromarin) und als Pflanze.

Im Frühjahr hat sie ein besonderes Jungpflanzenangebot

Sie baut nur samenfeste Sorten an, darunter viele von ProSpecieRara – einer sortenerhaltenden Organisation aus der Schweiz, die auch eine Dependance in Freiburg hat. „Viele dieser Sorten sind anders, die Zucchini tragen beispielsweise nur 10 statt 20 Früchte, aber sehr wichtig ist ja, dass wir die genetische Vielfalt erhalten und sie schmecken herausragend lecker. Ein Liebling von mir: Trombocino d´albenga  – ein Zucchini-Kürbis bzw. eine Kürbis-Zucchini aus Norditalien, gelistet von ProSpecieRara. Ein Kletterer wie ein Kürbis, rankt weit, macht hellgrüne, lange schmale Früchte, die sich hinten umbiegen. Er schmeckt wie Zucchini, ist aber festfleischig. Sie tragen bis zum Frost und bekommen eigentlich keinen Mehltau.“

Gebietsheimische Wildpflanzen – Projekt Tausende Gärten, tausende Arten

Die Gärtnerei ist Kooperationspartner von „Tausende Gärten – tausende Arten“. „Früher haben wir uns die Exoten in den Garten geholt, inzwischen ist die Natur der Exot – wir geben ihr den Platz in unseren Gärten, den sie in unserer Agrarlandschaft nicht mehr findet. Gebietheimisch bedeutet: genetisch an den Standort angepasst. Damit Pflanzen und Tiere ihre regionale Besonderheit bewahren können.“ Einige der Wildpflanzen für die Region WEST sind in der Gärtnerei erhältlich.

Bis zu 40 Sorten an Tomaten, dazu über 80 weitere wie Auberginen, Physalis, Chilis, Okra, Spargelsalat

Caroline Urban ist anspruchsvoll und verkauft nur das, was ihr selbst schmeckt. Über 'Gelbe Ochsenherzen' oder 'Old German', gerät sie ins Schwärmen: „Ich liebe Fleischtomaten und es gibt eine so herrliche Geschmacksvielfalt. Die brauchen zwar länger, bis sie reif sind, aber sie schmecken sensationell.“ Für Balkongärtner:innen empfiehlt sie Buschtomaten wie 'Paulinchen' oder 'Dreikäsehoch'.

Im Spätsommer Wintergemüse und Erdbeeren pflanzen, und: Herbstzeit ist Pflanzzeit für alles, was zwei oder mehrjährig ist

Carolin Urban erinnert alle Demeter-Hausgärtner:innen und Balkongärter:innen an die wichtige Pflanzzeit im Herbst: „Wenn ich im Frühjahr setze, muss die Pflanze alles gleichzeitig machen: Wurzeln, Blätter, Blüten. Wenn ich im Herbst pflanze, dann ist der Boden noch warm und sie kann in Ruhe Wurzeln bilden. Die Pflanze wächst, solange der Boden nicht gefroren ist, unterirdisch. D.h., wenn ich im Herbst pflanze, kann sie den ganzen Herbst einwachsen und kann im Frühjahr viel besser starten und die Kraft in Blätter und Blüten stecken.

Erste Lücken im Gemüsebeet können im August mit Asia-Salaten, Herbstkohlrabi, Mangold und Blattkohl geschlossen werden. Die Erntesaison verlängert sich so bis in die Frostzeit. Mancher Grünkohl schmeckt dann erst richtig gut.

Carolin Urban ist gefragte Expertin auf den Bio-Balkon-Kongressen von Birgit Schattling. Auf dem 8. Online-Kongress geht es um Wintergemüse

Dieses Interview beinhaltet Auszüge aus dem 7. Online Bio-Balkon Kongress, auf dem Carolin Urban wertvolle Tipps rund um den Anbau von Wildpflanzen, Kräutern und Gemüse auf kleinstem Raum gegeben hat.