Stutenmilch aus dem badischen Odenwald

Sanft, leicht süßlich oder auch säuerlich fermentiert


Bei einem Rundgang im Stutenmilchgestüt, Waldbrunn-Mülben kommen einige Besucher aus dem Staunen nicht heraus. Denn anders als in Zentralasien, wo traditionell mehr Pferdemilch getrunken wird, sehen hier viele zum ersten Mal ein Pferd im Melkstand. Jette Zollmann, Betriebsleiterin in dritter Generation, reicht ein Gläschen des kostbaren Tropfens. Nun ist die Überraschung perfekt: eine sanfte Süße breitet sich im Mund aus, die Milch schmeckt leicht süßlich, ein wenig nach Mandeln und irgendwie fühlt sie sich leicht an. Für alle, die auch gerne die gegorene Version probieren wollen, gibt es ein zweites Gläschen, diesmal mit Kimis (Kumys) und eine Erklärung von Jette Zollmann: „Stutenmilch ist die Einzige, die nicht gerinnt, wenn sie gärt. In der Mongolei oder bei anderen Völkern des zentralasiatischen Raumes schätzt man die Pferdemilch schon seit Jahrhunderten. Früher wurde sie durch die Fermentation haltbar gemacht. Daher gibt es quasi zwei Versionen. Frische Trinkmilch, schonend verarbeitet und vergoren.“ Und bei Zollmanns hat man noch eine dritte Möglichkeit geschaffen, man kann auch Stutenmilchpulver (Gefriertrocknung) kaufen.

Steigerung der Vitalität oder bei Unverträglichkeiten

Die einen schwören auf die vielen wertvollen Vitalstoffen, wichtige Eiweiße, Vitamine und ungesättigte Fettsäuren. Die anderen wissen, dass Stutenmilch der Muttermilch sehr ähnlich ist, und schätzen sie zur Ergänzung in der Ernährung von Kindern. Jette Zollmann, selbst Mama von vier Kindern plaudert aus, dass es bei ihr mit dem Abstillen dank der Stutenmilch sehr schnell und gut geklappt hat. Klar, sie ist mit dieser besonderen Mischung von Tieren, Weiden, Reiten und Melken groß geworden und führt die Tradition weiter. „Ich wollte schon immer den Hof übernehmen. Mein Großvater hatte ihn gegründet, mein Vater war Tierarzt. Ich habe Landwirtschaft studiert, habe Kühe gemolken, aber Pferde sind mein Leben. Ich reite auch.“

Geben theoretisch alle Pferdestuten Milch oder sind das besondere Milchpferde, so wie es Milchschafe gibt?

„Wir haben früher mit Haflingern angefangen, haben dann Reitponys eingekreuzt. Denn es werden ja auch Hengste geboren und die verkaufen wir an Freizeitreiter“, erklärt Jette Zollmann. „Wir haben zwei Herden, es werden ca. 80 Stuten gemolken, ein Pferd gibt nicht sehr viel Milch, sie ist etwas sehr Kostbares, pro Melkgang etwa 1-2 Liter. Unsere Fohlen wachsen bei ihren Müttern auf, sie werden nur morgens von ihnen getrennt und gehen dann mittags mit ihren Müttern zusammen auf die Weide. Oder im Winter in die großzügigen Ställe, dort haben die Fohlen auch in dieser Zeit genügend Auslauf.“

Was hat Stutenmilch mit Demeter zu tun?

„Unsere Philosophie folgt einem ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz. Für uns ist wesensgemäße Tierhaltung wichtig und der gesamte Hofkreislauf. Die landwirtschaftlichen Flächen rund um das Gestüt bieten ideales Futter. Alles was wir füttern, wird auf unserem Betrieb gewonnen, somit ist eine durchgehende optimale biologische dynamische (Demeter) Ernährung unserer Stuten möglich. Und jedes Tier hat bei uns einen Namen. Nicht nur, weil es registriert werden muss, sondern weil ich jedes Tier wertschätze.“

Gibt es auch andere Produkte aus der Milch?

„Wir haben noch Naturkosmetikprodukte, diese sind aber nicht Demeter zertifiziert, denn nicht alle Rohwaren bekommen wir in Demeter-Qualität. Was ich mir noch vorstellen kann, da wir im Ort noch einen Kuh– und Ziegenmilchbetrieb haben, ist ein Käse aus einer Kombination aus Kuh-, Ziegen- und Pferdemilch. Als leidenschaftliche Reiterin genieße ich es sehr, auch über die Milch mit den Tieren in Verbindung zu sein. Sie fressen hier das saftige Odenwälder Gras und bekommen den leckeren Hafer, für mich ist das ein besonderes Geschenk, das die Tiere uns geben.“

Das Gespräch entstand im Rahmen der Mitgliedertour des Landesverbandes im April 2022 zwischen Betriebsleiterin Jette Zollmann und Sonja Jürschik (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)