Jungpflanzen aus dem Markgräflerland

Piluweri kultiviert eine riesige Vielfalt an Gemüsen

Das Glück des Gärtner(n)s: Demeter-Jungpflanzen der Gärtnerei Piluweri. Foto: Silvia Wolf


Eigentlich ist es im Markgräflerland ja immer schön. Und doch gibt es die eine Zeit, so sagen die Menschen der Gärtnerei Piluweri bei Müllheim, in der ist es ganz besonders schön. Zur Zeit der Obstblüte, wenn der Winter sich von den Hügeln der Landschaft verzieht, es im Boden krabbelt und die Gärtner*innen in den Fingern kribbelt, dann zieht eine besondere Stimmung über die biodynamische Gärtnerei. Und es wuselt auf dem Hof noch ein bisschen mehr als sonst: zu den 70 Menschen, die hier arbeiten, gesellen sich dann noch viele Kund*innen. Menschen aus der Umgebung, die eine Besonderheit der Gärtnerei wahrnehmen möchten: Piluweri verkauft biodynamisch erzeugte Jungpflanzen. Für Hobbygärtner*innen und Privatmenschen, die gerne Gemüse aus samenfesten Sorten ziehen.

Tomaten, Paprika, Auberginen, natürlich auch Salat: wer ein bisschen Platz auf Balkon oder Garten hat und sich dort ein Stück weit selbst versorgen will, dabei biodynamisch gezüchtete Pflanzen schätzt, vielleicht auch noch samenfeste Sorten, die anders als gängige Hybridsorten von selbst vermehrbar sind, findet bei Piluweri einen fast unerschöpflichen Quell gärtnerischer Freude.

Und der ist, ganz vom Anfang gedacht, das Werk von Michael Pickel, Matthias Ludwig, Richard Specht und Horst Ritter und ihrer vielen Mitarbeiter*innen. Die vier Betriebsleiter haben seit Mitte der 90er Jahre einen ungewöhnlich ganzheitlich und vielfältigen biodynamischen Gärtnereibetrieb geschaffen. Der Wert legt auf Sortenvielfalt, einen möglichst geschlossenen Betriebskreislauf von der Pflanzenzucht, die vielfältige Fruchtfolge, die bodenaufbauende Arbeitsweise bis hin zur Vervollständigung des Stoffkreislaufes durch eine kleine Mutterkuhherde. „Wir legen schon Wert auf eine sehr weit gefasste Ganzheitlichkeit“, sagt Horst Ritter.

Viel Wert auf Zusammenarbeit

So ist im Markgräflerland einiges entstanden, seit zwei Gärtner Mitte der 90er Jahre Zug fuhren und ihre Passion für die biodynamische Gärtnerei zusammenführten. Horst Ritter und Matthias Ludwig waren damals auf dem Weg nach Dornach zur landwirtschaftlichen Tagung und legten im Zugabteil die Grundlage für ihren späteren Betrieb. Der Grundgedanke: statt zweier kleinerer Gärtnereien, die sich ohnehin schon austauschten, wäre doch eine gemeinsame Gärtnerei schlagkräftiger.

Was bedeutet Piluweri?

Viele neue Kund*innen und Wachstumsschritte später bewirtschaftet Piluweri – das Wort setzt sich aus Buchstaben der den Anfangsbuchstaben der damaligen Gründer-Namen zusammen – 35 Hektar in gärtnerischer Fruchtfolge, davon 9000 Quadratmeter im geschützten Anbau. So kann Piluweri seine Hofladenkund*innen, die mehr als 1000 Kisten-Abonnent*innen und die verbundenen Partnerbetriebe fast das ganze Jahr über beliefern.

Auch wenn die Gärtnerei versucht, durch vielfältige Fruchtfolgen, eigene Saatgutvermehrung, züchterische Arbeiten an neuen Sorten und intensive Kompostwirtschaft einen gesunden Hoforganismus aufzubauen, braucht es doch auch die Zusammenarbeit mit anderen Betrieben. Für sie ist Piluweri eine Bezugsquelle für Jungpflanzen und eine Adresse, um das eigene Gemüse- Sortiment zu ergänzen. Umgekehrt kauft auch Piluweri bei Obstbaubetrieben und Gemüsebaukollegen regionale Früchte, Spargel und anderes Gemüse, das sie nicht selbst anbauen.

Botschafter bunter Gemüse

Und das alles tragen sie so gut es geht nach außen. Auch, weil sich immer mehr Menschen für Gartenarbeit interessieren: Welche Paprikasorten tragen genügend Früchte? Wie geize ich meine Tomaten aus? Und was macht man gegen Erdflöhe, die im Sommer den Rucola durchlöchern? Unzählige Fragen treiben Hobbygärtner*innen um – bei Piluweri beantworten sie diese über eine aufwendig gestaltete Internetseite, aber auch beim Jungpflanzenverkauf im Frühjahr vor Ort.

„Man erkennt einen eindeutigen Trend, dass immer mehr Menschen Gemüse anbauen und Spaß haben, was zu ernten“, sagt Horst Ritter. Und so verkaufen die Piluweris fast alle Kulturen, die sie selbst anbauen, auch an Hobbygärtner*innen.  Absolute Renner sind Tomaten, vor allem Spezialitätensorten. „Die Standardsorte gibt es auch noch, die sind immer noch gut, aber die Leute suchen etwas Spezielles“, sagt Horst Ritter. Und bei Piluweri bekommen Hobbygärtner*innen nicht nur Spezialsorten – sondern auch biodynamisch gezogene Pflanzen, die bereits abgehärtet sind und problemlos weiterwachsen.

Individuelle Menschen schaffen einen einzigartigen Betrieb

Hier sind die Menschen, die mit den Sorten selbst arbeiten und die nicht nur verkaufen, sondern auch erklären können“, sagt Horst Ritter. Diese Offenheit, der Anschluss an die Welt außerhalb des Gärtnerei-Kosmos ist sehr wichtig. „Mehr Kontaktmöglichkeiten und Hintergründe zu liefern als der Supermarkt“, beschreibt Horst Ritter als Ziel. „Wir wollen zudem wahrnehmbar machen, dass hier sehr individuelle Menschen arbeiten, die den Betrieb und seine Erzeugnisse auch prägen.“

Tatsächlich sind die Mitarbeiter bei Piluweri so bunt wie das Gemüse. Quereinsteiger*innen, Menschen aus anderen Ländern, hier pflanzt und gärtnert ein vielseitiges Grüppchen. Und das das ganze Jahr über. „Wir haben keine klassische Saisonarbeit“, sagt Horst Ritter. Das sicher auch aus sozialer Verantwortung. Aber auch weil der Betrieb, mit seiner Vielfalt an Kulturen, den Zwischenbegrünungs-Schritten über das Jahr und der intensiven Bodenpflege, nicht so starke Saisonspitzen hat. „Unsere Arbeitsspitzen wandern über das Jahr den Gesamtbetrieb durch, drum arbeiten wir eben auf dauerhaft hohem Level“, schmunzelt Horst Ritter. Und das gilt gleichermaßen für die Menge der Arbeit – wie für die Qualität von Gemüse und Pflanzen.