Anerkennung für 50 Jahre Gärtnermeister:in und Ausbilder:in

Goldener Meisterbrief-Verleihung im Juli 2023 an Flora Eisenkolb und Peter Berg

Flora Eisenkolb und Peter Berg erhielten auf der Bundesgartenschau in Mannheim den goldenen Meisterbrief zum Jubiläum ihrer 50-jährigen Meisterprüfung. Beide Pioniere des biologisch-dynamischen Gartenbaus wurden von Landesminister Peter Hauk geehrt. Während ihrer Ausbildung kannten sie sich noch nicht, sind nun aber seit langem durch kollegiale Zusammenarbeit und Wissensaustausch verbunden.

1973 legten Peter Berg (in Heidelberg) und Flora Eisenkolb (in Ludwigsburg) ihre Meisterprüfung ab. Schon damals interessierte sich Peter für das biodynamische Wissen und integrierte kosmische Rhythmen in die Arbeitspraxis. Seine Eltern stellten die Gärtnerei in Haltingen auf biodynamisches Gemüse um, was zu Anfang im Umfeld auf Skepsis stieß. Flora, aus Amsterdam stammend und ausgebildet auf dem Warmonderhof, fand in Deutschland in der Gärtnerei Willmann in Vaihingen und später in Ingersheim ihre Berufung. Beiden war es wichtig, das Biodynamische in die betriebliche Ausbildung zu integrieren. Damals gab es ausschließlich die staatliche Gärtner-Ausbildung, in der Berufsschule war Bio kein Therma.

Peter Berg erzählt: „Ich war mit 21 der Jüngste in der Klasse. Meine Eltern meldeten zu der Zeit unsere Gärtnerei in Haltingen (Südbaden) für die Nutzung des Demeter-Warenzeichens an. Damals war ich also schon in "leichte" Opposition zu dem, was uns an der staatlichen Meisterschule in Heidelberg gelehrt wurde. Meine Eltern waren schon sehr mutig, sie haben im Grunde zweifach umgestellt, vom Zierpflanzenbau auf biodynamischen Gemüsebau. Dass wir die Biodynamischen Präparate angewendet haben und keine Pflanzenschutzmittel mehr, das hat uns im Umfeld schon zu „Spinnern“ gemacht. Gegipfelt hat das Ganze in den Überlegungen des Regierungspräsidiums, unsere Gärtnerei als Ausbildungsbetrieb abzuerkennen, weil damals noch nicht so deutlich war, ob die biodynamische Methode zielführend ist“.

Heute ist das anders, gut 75% der Gemüse-Gärtnerauszubildenden und Meisteranwärter kommen aus Demeter- und Biobetrieben!

Flora Eisenkolb war verantwortlich für die Ausbildung in der Gärtnerei Willmann. 

Flora Eisenkolb war verantwortlich für die Ausbildung in der Gärtnerei Willmann. 

Flora wurde verantwortlich für die Ausbildung in der Gärtnerei Willmann. Da die Auszubildenden in der Berufsschule nicht lernen konnten was gebraucht wurde, wurde der Berufsschulstoff in den Fächern Düngung und Pflanzenschutz deutlich erweitert und von Flora im betrieblichen Unterricht vermittelt. Und das dann 45 Jahre lang. Ihre Arbeit legte den Grundstein für die heutige Biodynamische Ausbildung im Süden. Schon als Kind wusste sie, dass sie Gärtnerin werden wollte, mit dem Namen wurde ihr quasi der gärtnerische Weg in die Wiege gelegt.

Später inspirierte sie das Buch: „Der stumme Frühling“ von Rachel Carson, die biodynamische Ausbildung auf dem Warmonderhof zu machen. Nach verschiedenen Praktika und drei Jahren in Bingenheim wollte sie wissen, ob Demeter-Anbau auch unter Erwerbsbedingungen möglich ist und ob ohne Pflanzenschutz Produkte für den Handel angebaut werden können. Gleich am Anfang in Vaihingen konnte sie, nach Anweisung von Frau Thun, Radiesversuche im Gewächshaus machen mit Aussaaten in den 12 verschiedenen Tierkreisregionen. Die unterschiedlichen Ergebnisse waren, anders als im Freiland bei Frau Thun, weniger in der Radiesform zu sehen, als sehr deutlich am unterschiedlichen Geschmack der Radieschen aus den vier Tierkreistrigone zu schmecken. „Die Versuche haben mir die Sicherheit gegeben, dass die Konstellationen einen Einfluss haben. Es blieb die Frage, wie und wo die Konstellationseinflüsse sinnvoll in die praktische Arbeit eingebaut werden können.“

Für Flora Eisenkolb war das biodynamische Wissen das „Tüpfelchen auf dem Gärtner-i“: „Ich war immer eine Außenseiterin mit meinen Ideen“, erzählt sie, „in der Meisterschule war ich die einzige Frau, die einzige Bio und konnte nicht schwäbisch. In der Gärtnerei stieß ich oft an mit meinem nüchternen Blick, den konventionellen Kollegen in der Meisterschule hingegen war ich viel zu idealistisch. Wir mussten jeder einen Vortrag halten. Ich war als Letzte dran und referierte über die biodynamische Wirtschaftsweise, wie wir genau beobachten müssen, um die Kulturen gut zu begleiten und dass wir z.B. andere Sorten und Pflanzenabstände wählen, um die Pflanzen gesund zu erhalten. Und ich bekam als Rückmeldung, dass ich das doch gerne früher hätte erzählen sollen. Nach dem Vortrag genoss ich spürbar mehr Anerkennung. Generell machte mir die Meisterschule sehr viel Freude, denn dort ging es auch um das Wirtschaftliche und darin waren die Demeter-Leute noch nicht gut.“

Wo stehen die beiden heute und wie sehen sie die aktuellen Entwicklungen

Beide haben sich in ihrer langjährigen Karriere für die Ausbildung und Verbreitung des biodynamischen Wissens und Tuns stark gemacht. Die Branche hat sich gewandelt, und Bio ist nun auch in der staatlichen Ausbildung salonfähig. Peter ist weiterhin in der Gärtner-Ausbildung aktiv und setzt sich für praxisorientierte Ausbildung ein. In diesem Jahr ist eine Auszubildende der Gärtnerei Berg in Binzen Jahrgangsbeste im Regierungsbezirk Freiburg, obwohl sie nicht auf der staatlichen Schule war.

Flora Eisenkolb hat im Sommer 2021 den betrieblichen Unterricht beendet, dafür arbeitet sie im Initiativkreis der Biodynamischen Ausbildung im Süden mit, um zu helfen, die Ausbildungsinhalte für die inzwischen mehrheitlich gärtnerischen Auszubildenden anzupassen. Sie betont die erhöhte Wichtigkeit von ökologischem Arbeiten und Beobachtung im Klimawandel: „Wir müssen heute noch aufmerksamer sein, Pflanzen beobachten, Klima und Wetter berücksichtigen, weil wir im biodynamischen Anbau ja nicht mit chemischem Pflanzenschutz reagieren können. Wir brauchen also mehr Sorgfalt und ein tieferes Wissen, um ökologisch arbeiten zu können. Man muss es so weit bringen, dass man es dem Boden und den Pflanzen anfühlt, was sie brauchen.“
Peter: „Die Pflanze steht an dem Platz, wo der Gärtner sie hingepflanzt hat. Da ist der Gärtner, die Gärtnerin, in einer Fürsorgepflicht.“

Wer die inspirierenden Pioniere kennenlernen möchte, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergeben, um eine nachhaltige Zukunft für die Landwirtschaft zu gestalten, der hat vielleicht Glück Flora Eisenkolb auf einem Hoffest zu begegnen, dort ist sie noch hin und wieder zu Gast und bringt Verbraucher:innen nahe, was Demeter ausmacht für den Boden, die Pflanze, die Umwelt. Außerdem betreut sie noch die Hausgartengruppe in der Region Ludwigsburg-Heilbronn.
 

Gärtnermeister Peter Berg mit Auszubildenden

Peter Berg bei der Ausbildung von Lehrlingen, hier geht es um das Thema Bodenaufbau und die Kunst solch einen lebendigen, krümeligen  biodynamischen Boden gemeinsam mit den Pflanzen aufzubauen.

Peter Berg ist, neben seiner helfenden Tätigkeit in der Gärtnerei und deren Ausbildungsbemühungen noch als TV-Gärtner im SWR bei der Sendung „Kaffee oder Tee“ zu sehen und er gibt digital monatlich Tipps an Hausgärtner:innen bzw. vor Ort in der Gärtnerei, die er mittlerweile an seinen Sohn übergeben hat:  https://heliosterra.de/.

Außerdem ist er aktiv im Landesvorstand des Demeter-Landesverbandes Baden-Württemberg e.V.

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